Familienergänzende Kinderbetreuung: Betreuungsgutschriften – Pilotprojekt Stadt Luzern

Subventionen der öffentlichen Hand für die familienergänzende Kinderbetreuung werden heute in aller Regel direkt an die Anbieter ausgerichtet. Diese als Objektsubventionierung bezeichnete Finanzierungsart wird von der OECD, von Exponenten der Privatwirtschaft und von einer wachsenden Öffentlichkeit für zahlreiche Mängel des heutigen Systems verantwortlich gemacht. Konkret gefordert wird eine Umlagerung der Subventionen von den Anbietern zu den nachfragenden Eltern mittels Vergabe von Betreuungsgutscheinen. Die Sozialdirektion der Stadt Luzern hat gemeinsam mit dem Bundessamt für Sozialversicherungen Interface beauftragt, konzeptionelle Arbeiten zur Konkretisierung eines Pilotversuchs zu Kinderbetreuungsgutscheinen in der Stadt Luzern durchzuführen. 

INFOS:
Interface für Politikstudien, Luzern: 
Andreas Balthasar 
Ruth Feller-Länzlinger   
Basil Gysin 

Bundesamt für Sozialversicherungen: Dokumente zu Betreuungsgutscheinen:
http://www.bsv.admin.ch/praxis/kinderbetreuung/01778/index.html?lang=de

Betreuungsgutscheine: Interface-Bericht 2005

Kinderbetreuung: Betreuungsgutschriften … Pilotprojekt der Stadt Luzern … 2008

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One Comment on “Familienergänzende Kinderbetreuung: Betreuungsgutschriften – Pilotprojekt Stadt Luzern”

  1. T. Birrer Says:

    Das Wort Gutschein suggeriert, dass es künftig etwas umsonst gibt. In Wirklichkeit geht es nur um eine Systemumstellung. Betrachtet man das Ganze etwas ganauer, ist eine Mogelpackung.

    Ein Gutschein-System kann nur bei einem Überangebot an Kita-Plätzen das halten, was dem Steuerzahler und den Eltern versprochen wird. Von Überversorgung an Kinderkrippen-Plätzen kann jedoch nicht die Rede sein. Das grenzt an Hochstapelei.
    Da es landesweit eine Unterversorgung an Betreuungsplätzen gibt, ist mit negativen Auswirkungen zu rechnen. Nicht die Eltern suchen sich dann die Kinderkrippe aus, sondern die Kinderkrippe sucht sich die Kinder aus.

    Negative Erfahrungen im nahen Ausland sollten in Betracht gezogen werden. Das Modell führt zur Vertiefung der sozialen Spaltung und zu mehr Stellenabbau. Die Verbesserung der Platzquote und eine bessere Qualität hängen von Investitionen ab und nicht von Gutscheinen.

    Die neue Unterstützung von frei-gewerblichen Trägern neben den öffentlichen und den frei-gemeinnützigen Trägern ist unsinnig. Dies hat zur Folge, dass durch die gewinnorientierten First-class-Kitas die zahlungskräftigen Eltern abgeworben werden. Das kann nieman wollen.

    Der Verwaltungsaufwand für die Ausstellung und Kontrolle des neuen Betreuungsgutscheins ist enorm und inneffizient. Der Staat gibt ausserdem die Steuerungskontrolle und Einflussnahme auf die Qualität der Betreungsstätten ausser Hand.

    Man beachte:

    Kinderkrippenplätze kann man sich nicht auswählen – entweder es hat Platz oder man wartet. Dies wird der Betreuungsgutschein nicht ändern können. Im Gegenteil. Es wird zu einem verstärkten Platzmangel kommen. Kinderkrippen an ungünstigen Orten werden eingehen.

    Die finanziellen Belastungen für Eltern werden markant steigen. Der Tarif des neuen Betreuungsgutscheines verteuert den Kinderkrippenplatz für normale „Durchschnittsbürger“ und besser verdienende Mittelschichtarbeiter massiv. Dies hat zur Folge, dass gut qualifizierte Frauen ihre Arbeit aufgeben müssen, weil die finanziellen Belastungen für die Familie zu gross werden

    Kinderkrippen werden nur noch nach wirtschaftlichen Standpunkten geführt. Billiges Personal, geringere Kosten, weniger Personal: mehr Gewinn! Es darf nicht sein, dass der „ROI“ auch Einzug in Kinderkrippen hält

    Es wäre einfacher, effizienter und vor allem kostengünstiger, das bestehende System zu verbessern. Das wäre ein Gewinn für Alle – für unsere Kinder, für die Eltern, für die Kinderkrippen, für den Steuerzahler und für den Staat!
    Deshalb sollte das Experiment „Betreuungsgutschein“ möglichst schnell eingestellt werden. Das haben auch Versuche im nahen Ausland gezeigt


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